Mit Mühe zogen wir uns auf das schwankende Ding rauf, das unter unserem Gewicht fast absoff. Schweren Herzens warf ich meinen Karpfen zurück ins Wasser. Unnötiger Ballast durfte einfach nicht mit an Bord! Außerdem war das Floß schon beladen. Ein paar Kisten, mit morschen Tauen verschnürt und wasserdicht in Plastikfolie eingeschweißt, weckten unsere Neugier. Papa fetzte die Folie von einer Kiste runter, klappte den Deckel auf und zog ein kleines Päckchen heraus. Er pfiff durch die Zähne.
„Semtek! Spezialsprengstoff für die Arbeit im Steinbruch! Macht schöne, große Löcher! Genau das, was wir brauchen!“ murmelte er grimmig.
Der Bagger hatte uns jetzt fast erreicht.
Uns war klar, dass wir nur einen einzigen Versuch hatten. Ein Versuch, bei dem alles hundertprozentig klappen musste.
Während Papa, Elfi und Julia Zwo den Irren mit den Stinkefingern winkten und ihre nackten Hintern zeigten, glitt ich ins Wasser und tauchte unter, das Hemd mit Sprengstoff voll gestopft, dem stampfenden Ungetüm entgegen. Auf dem schlammigen Grund kauerte ich mich zusammen und wartete auf mein Opfer.
Aber ich hatte den Tiefgang des Baggers falsch eingeschätzt und hatte ihn viel zu tief angeschwommen. Jetzt war er schon fast über mich weg, als ich ihn gerade noch erreichte und Sprengladungen und Zünder anbringen konnte. Ich hatte kaum noch Luftreserven, als ich mich endlich im Rekordtempo davon machte.
Dann ging die Ladung hoch.
Papa und die Mädels waren keine zwei Sekunden vorher ins Wasser gesprungen. Gerade rechtzeitig, um nicht von der Druckwelle erwischt zu werden.
Saubere Arbeit! Der Schornstein flog pfeilgerade in die Luft. Bestimmt 200 Meter hoch, denn er trennte glatt das Stahlseil durch, das hier direkt über´s Wasser führte. Ich sah den vor Wut aufheulenden Hartmut auf seinem Baggerführersitz, der jetzt ein Schleudersitz war, durch die Luft fliegen. Das zu Boden peitschende, durchtrennte Stahlseil riß ihm glatt die Rückenlehne weg und Hartmut änderte seine Flugbahn. Anstatt einfach wieder ins Wasser zurück zu fallen, prallte er drüben, auf der anderen Seite des Sees, in großer Höhe gegen die Steilwand und fiel dann, wie ein geprügelter, nasser Sack, rücklings in eine verrostete Transportlore einer längst ausrangierten Grubenbahn, die 100 Meter weiter unten auf einer wackligen, hölzernen Brückenkonstruktion übers Wasser führte. Nur seine zerschundenen, qualmenden Beine hingen heraus, als sich das verbeulte Ding mit eiernden Rädern langsam und quietschend in Bewegung setzte.
16.7.2007